Europäische Motorradindustrie - Herausforderungen in der Krise

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Foto: Bernd Lange im C1, BMW-Prototyp mit Elektroantrieb

 

Große Anstrengungen sind für die europäische Motorradindustrie nötig, um die Krise bewältigen zu können. Das wurde deutlich auf der Jahreskonferenz des Verbandes der Europäischen Motorradindustrie (ACEM) am 28. Januar 2010 in Brüssel. Das hochkarätig besetzte Podium diskutierte die Auswirkungen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise auf den Motorradsektor in Europa und Wege aus der Krise.

Der Verband der europäischen Motorradindustrie hatte den deutschen Europaabgeordneten Bernd Lange (SPD) gewonnen, um die Jahreskonferenz einzuleiten und zu moderieren. Lange kennt sich in der Szene aus: Er war im Europäischen Parlament u.a. verantwortlich für die Abgasgesetzgebungen Euro 2 und Euro 3 für motorisierte Zweiräder und ist selbst seit langer Zeit begeisterter Biker.

 
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Foto: Diskutierten engagiert über die Krise und Strategien für die europäische Motorradindustrie: Gabriele Del Torchio (Präsident der Ducati Motor Holding), Giacomo Mattinó (EU- Kommission) Mattia Pellegrini, (EU-Kommission, Kabinett von Kommissar Tajani), Bernd Lange (EU-Parlament), Jacques Compagne (ACEM-Generalsekretär), Mark Davies (Generaldirektor Honda Motor Europe)

Die Krise hat die Motorradindustrie stark getroffen. Dramatisch sind die Einbrüche in diesem Sektor, in dem in der EU 150.000 Menschen Beschäftigung finden. Im Vergleich zum Jahr 2007 waren im Krisenjahr 2009 Absatzeinbußen in Höhe von 25 Prozent zu verzeichnen. Gabriele Del Torchio (Präsident der Ducati Motor Holding) sprach sich für kurzfristige Unterstützungsmaßnahmen insbesondere für die kleinen und mittelständisch geprägten Unternehmensstrukturen aus. Der Zugang zu Krediten und die Förderung der Forschung stehen dabei oben auf der Wunschliste.
Die Verbesserung des Zugangs zu Krediten und des wirtschaftlichen Umfeldes für kleine und mittlere Unternehmen steht im Mittelpunkt der Politik der EU-Kommission betonte Mattia Pellegrini. Für die Motorradindustrie werden die zentralen Weichenstellungen durch die europäische Politik vorgegeben. Daher kommt es darauf an, im Bereich der Handelspolitik ein Spielfeld zu gestalten, dass einen fairen Wettbewerb zwischen europäischen und anderen Herstellern ermöglicht. Verkehrssicherheit ist ein weiteres wichtiges EU-Politikfeld. Hier müssen motorisierte Zweiräder stärker einbezogen werden, was zum Beispiel die Standards der Infrastruktur (Leitplanken), die Fahrzeugtechnik und die elektronischen Sicherheitssysteme betrifft. Ein integrierter Ansatz ist nötig. Spannend ist, dass in der Überlegung zur Zukunft des Verkehrs insbesondere in urbanen Räumen motorisierte Zweiräder eine große Rolle spielen. Demnächst wird die EU-Kommission ein Strategiepaper – das Weißbuch – zum nachhaltigen Verkehr vorlegen.

Als nächster wichtiger Schritt ist auf der EU-Ebene eine neue Rahmengesetzgebung für motorisierte Zweiräder in Vorbereitung. Der Entwurf soll im April 2010 auf dem Tisch liegen. Wichtige Inhalte, die geregelt werden, sind weitere Emissionsbegrenzungen sowie Sicherheits- und Typzulassungsanforderungen.
Im Vorfeld ist intensiv unter Beteiligung aller Stakeholder diskutiert worden. Wenn die EU-Kommission den Vorschlag nun vorlegt, geht er in die parlamentarische Beratung. Verabschiedet werden die neuen Regelungen voraussichtlich 2011.
Lange begrüßte das Vorhaben und sprach sich auch für ehrgeizige Zielsetzungen aus, damit die Motorradindustrie klare Rahmenbedingungen hat. Aber für ihn ist klar, dass realistische Übergangszeiten dazu gehören. „Innovationen für Beschäftigungssicherung und eine saubere Umwelt müssen gefördert werden“, betonte der EU-Parlamentarier.
Für die Zukunft sind natürlich auch innovative Antriebe gefordert, wie die Entwicklung von Elektro- oder Hybridantrieb. Einige Hersteller zeigten in Brüssel ihre ersten Zukunftsmodelle.
In seinem Schlusswort betonte Lange noch einmal, dass für die Beschäftigung und für die Mobilität der Zukunft die Motorradindustrie stärker in den Fokus der Politik und Öffentlichkeit rücken muss - häufig steht sie zu sehr im Schatten der Autoindustrie. Die EU-Politik muss hier ihre Verantwortung wahrnehmen. Lange will hier mittun und seine Kollegen sensibilisieren. Im Juni wird er zusammen mit dem Dachverband der Motorradfahrerverbandes FEMA eine Motorradausfahrt in Brüssel organisieren, um seinen Kollegen ein eindrucksvolles Fahrerlebnis zu ermöglichen.