Delegation EU-Südafrika
Die Delegationen nehmen die internationalen Kontakte des Europäischen Parlaments wahr und bauen diese aus.
Die Tätigkeiten der Delegationen sind daher auf der einen Seite darauf ausgerichtet, Kontakte zu den Parlamenten von Staaten zu unterhalten und zu fördern, die traditionell Partner der Europäischen Union sind. Auf der anderen Seite sollen sie dazu beitragen, die Werte, auf denen die Europäische Union beruht, namentlich die Grundsätze der Freiheit, der Demokratie, der Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten sowie der Rechtsstaatlichkeit (Artikel 6 und Artikel 11 Absatz 1 fünfter Spiegelstrich des EU-Vertrags) in Drittländern zu fördern.
Für die internationalen Kontakte des Parlaments gelten die Grundsätze des Völkerrechts.
Die internationalen Kontakte des Parlaments sind darauf ausgerichtet, die parlamentarische Dimension der internationalen Beziehungen zu fördern, wann immer dies möglich und angezeigt ist.
Bernd Lange ist Mitglied der Delegation für die Beziehungen der EU zu Südafrika.
Die Republik Südafrika ist das siebtgrößte Land des Kontinents und etwa dreieinhalb mal so groß wie Deutschland. Die klimatischen Verhältnisse reichen von mediterran im Süden, subtropisch im Nordwesten bis zu wüstenhaft im Nordwesten. Heute hat Südafrika eine Bevölkerung von circa 45.000.000. Die ethnische Verteilung ist 76 % Schwarzafrikaner, 13 % Weiße und 11 % Asiaten sowie andere. Es gibt 11 offizielle Sprachen, Englisch hat sich aber als Handelssprache etabliert.
Geschichte
Die Besiedlung des heutigen Südafrikas begann vor Tausenden von Jahren und gebar eine Vielfalt an Kulturen, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts über das Gebiet herrschten.
Im Jahr 1652 gründete die Holländische Ostindische Gesellschaft (Dutch East India Company) eine Außenstation auf dem südafrikanischem Kap, um Verpflegung für die holländischen Schiffe auf dem Wege nach Indien und China bereit zu halten. Kurz darauf folgten holländische Siedler, die Ländereien für die Gründung von Farmen bekamen. Die Ureinwohnern wurden ins Hinterland vertrieben oder als Sklaven für die Feldarbeit eingesetzt. Bald entstanden Konflikte zwischen den Parteien, weil die Siedler ständig mehr Land in Anspruch nahmen und nicht weg gehen wollten. Nach zwei Jahrzehnten Krieg gewannen die europäischen Waffen. Europäer nannten sich "Afrikaaner" und entwickelten eine eigene Sprache (Afrikaans). Aus dieser Sprache stammt auch der Begriff Buren (Bauer). Außerdem im Jahre 1713 brachte ein holländisches Schiff die Pocken nach Südafrika, bislang unter den Ureinwohnern unbekannte Krankheit, die bis auf unter 10 % ihrer ursprünglichen Zahl dezimierte.
Im Jahr 1795 besetzten die Briten Kapland. Als Großbritannien 1833 die Sklaverei in der Kapkolonie offiziell verbot, unzufriedene Buren zogen von Kap nach Norden. Im Transvaal und Oranje- Freistaat gründeten sie eigene Staaten. 1867 folgte die Entdeckung von Diamanten bei Kimberley. England annektierte daraufhin diesen Teil des Oranje-Freistaats. Mineralfunde (Diamanten und Gold) führten zu einer nachhaltigen Veränderung des wirtschaftlichen und politischen Umfeldes. Die Entwicklung zu einer industriellen Gesellschaft wurde von Konflikten zwischen Englisch sprechenden Weißen begleitet, hauptsächlich Minenbesitzern und Industriellen, und Holländisch sprechenden Weißen, in der Regel Bauern (Buren) und verarmte Arbeiter der Städte, die wegen der Kontrolle über afrikanische Arbeitskräfte und über das mineralische Reichtum miteinander konkurrierten.
1910 die vier britischen Kolonien Transvaal, Oranje, Natal und Kap wurden zur Südafrikanischen Union zusammengeschlossen, einem selbständigen Dominion innerhalb des Britischen Staatenbundes (Commonwealth). Sie hatte eine gemeinsame Verfassung, die reflektierte eine Gesellschaft, in der eine weiße Minorität ein Monopol an Reichtum und Macht inne hatte - zum Nachteil der überwiegenden schwarzen Mehrheit. Im Jahr 1912 wurde der ANC (African National Congress) gegründet. Die erste Partei, die aus mehreren, vereinigten Protest- und Bürgerrechtsbewegungen der Schwarzen besteht.
Im Jahr 1948 gewannen die afrikaaner Nationalisten die Kontrolle über die Regierung und führten das System der Apartheid ein, fast vollständige Trennung der Schwarzen und der Weißen. Sie begann bereits Anfang des 20. Jahrhunderts, hatte ihre Hochphase von den 1940er bis zu den 1980er Jahren und endete 1994 nach einer Periode der Verständigung mit einem Regierungswechsel. Heute wird der Begriff manchmal auch als Synonym für „Rassentrennung“ im Allgemeinen verwendet.
Nelson Mandela, der bekannteste Führer der Anti-Apartheid-Bewegung, nach über 25 Jahren Gefangenschaft übernahm er Mitte der achtziger Jahre eine zentrale Rolle in Abschaffung von Apartheid. Vier Jahre des wechselnden Erfolgs, begleitet von eskalierender Gewalt und konkurrierenden politischen Interessen, fruchteten schließlich in den ersten demokratischen Wahlen im Jahre 1994. Partei ANC, von der Mandela der Präsident ist, gewinnt mit 62% die ersten freien und allgemeinen Wahlen. Mandela ist am 10. Mai erster schwarzer Präsident von Südafrika geworden und am 10. Dezember unterzeichnete er eine neue Verfassung für Südafrika.
Seit den ersten allgemeinen Wahlen, die 1994 das Ende der Apartheid markierten, hat Südafrika bemerkenswerte Fortschritte in mehreren Bereichen erzielt. Das Land hat eine demokratische Gesellschaft auf der Grundlage von Gleichheit, der Abschaffung der Rassentrennung sowie der Achtung der Rechte der religiösen, kulturellen, sprachlichen und indigenen Gemeinschaften aufgebaut und gewährleistet interne und externe gesamtwirtschaftliche Stabilität. Dennoch herrschen in Südafrika nach wie vor große soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten, die die Entwicklung der gesamten Gesellschaft beeinträchtigen. Besorgniserregend ist auch die hohe HIV/Aids-Rate. Was die Kriminalität angeht, so haben die Bemühungen der Regierung zu ihrer Bekämpfung bislang keine Früchte getragen.
Südafrika und die EU teilen gemeinsame Werte wie Demokratie, Menschenrechte, Achtung des Rechtsstaates und verantwortungsvolles Regieren, Toleranz, Gleichheit, Verpflichtung zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung sowie Förderung der nachhaltigen Entwicklung. Rechtsgrundlage für die Beziehungen zwischen Südafrika und der Europäischen Union ist das Abkommen über Handel, Entwicklung und Zusammenarbeit (ACDC). Die Beziehungen zwischen den Partnern werden vom Kooperationsrat überwacht. Dabei handelt es sich um einen gemischten Ausschuss auf Ministerebene, in dessen Rahmen der politische Dialog stattfindet.
Die EU ist Südafrikas wichtigster Handelspartner, und Südafrika umgekehrt der wichtigste Handelspartner der EU auf dem afrikanischen Kontinent.
Im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit ist die EU der wichtigste Geber; auf sie entfallen etwa 70 % der gesamten für Südafrika bereitgestellten Hilfe. Abkommen zwischen den beiden Partnern wurden auch in anderen Bereichen geschlossen, wie wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit sowie Handel mit Spirituosen und Wein.
Flagge
Seit 1994 hat Südafrika die neue Flagge. Der zentrale zusammenlaufende grüne Streifen in Form eines liegenden "Y" symbolisiert die neugefundene Einheit des Landes nach dem Ende der Apartheid. "Einheit ist Stärke" ist auch das Motto der Flagge. Rot, Weiß und Blau sind die Farben der weißen Bevölkerung, also der Buren und der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien. Das Rot steht daneben für das Blut, welches während der Befreiungskämpfe vergossen wurde, das Blau für die beiden Ozeane und den Himmel und das Weiß für die weiße Bevölkerung und für den Frieden. Schwarz, Grün und Gelb sind die Farben der afrikanischen Bewegungen, wie des African National Congress und der Inkatha Freedom Party, sowie ganz Afrikas. Dabei steht das Schwarz für die schwarze Bevölkerungsmehrheit, das Grün für die Naturreichtümer und das Gelb (bzw. Gold) für den Reichtum an Bodenschätzen.
Der erste Fair-Trade-Wein der Welt kommt aus Südafrika.
Thandi stammt aus der Sprache der Xhosa und heißt so viel wie "Fürsorge" und "Liebe". Thandi nannte die alteingesessene, holländischstämmige Familie Clüver das „Black Empowerment“ Projekt der Weinbranche am Kap, das sie 1995 ins Leben rief: Unterstützt durch und angeregt von der neuen südafrikanischen Politik, trat sie einen ungenutzten Teil ihrer eigenen Farm, zu der auch das Weingut Paul Clüver gehört, an ehemalige Arbeiter ab. Dazu kam ein frisch gerodetes Stück Land aus Staatsbesitz, schließlich konnte Thandi mit 200 Hektar Land starten. 1998 wurden die ersten Weine unter diesem Label gefüllt. 2003 war das Unternehmen die erste Weinfirma der Welt, die auf ihren Etiketten das Fairtrade-Siegel drucken durfte.
In den Anfangsjahren hielten Paul Clüver und nach ihm andere weiße Winzer noch Anteile an Thandi. Seit dem 1. Oktober 2009 gehört das Unternehmen allein einer großen Gemeinschaft von 250 schwarzen und farbigen Landarbeiterfamilien. Das Weingut Thandi ist eines der jüngsten Südafrikas und das erste, das ausschließlich von Schwarzen und Farbigen geleitet wird.
Außer Wein werden auch Zitrusfrüchte und Trauben angebaut und fair gehandelt. In der Firma verdienen damit ca. 250 Menschen ihren Lebensunterhalt. Auch unterhalt das Projekt eine eigene Schule für die Kinder der mit der Farm verbundenen Familien. Außerdem haben sie auch eigenes Restaurant „Thandi Farm Stall“, das fast ausschließlich regionale Produkte verarbeitet, vieles davon aus den eigenen Gärten und von den eigenen Feldern.
Heute ist Thandi auf einem guten Weg, sich auf dem internationalen Markt zu behaupten. Im Jahr 2010 produzierte die Firma 900.000 Flaschen Wein, 2009 waren es nur halb so viele. 95 Prozent des Thandi-Weins werden exportiert, mehr als von jedem anderen "schwarzen" Weingut Südafrikas.
Vernon Henn, 41 Jahre alt, der Generaldirektor seit 2007, verkörpert den Wandel der südafrikanischen Geschichte in seiner eigenen Person. Als eines von sechs Kindern wuchs er in einem Township bei Kapstadt auf, und obwohl er klug war und in der Schule zu den Besten gehörte, konnte er von einem Studium an der Universität nicht einmal träumen. Um 1990, als das Apartheid-Regime zerbrach, arbeitete er als Putzmann in den Büropalästen des Kapstadter Geschäftsviertels. Die Demokratisierung Südafrikas kam für ihn gerade noch zur rechten Zeit: er begann, Betriebswirtschaft zu studieren und heuerte bei Thandi an.
Thandi-Weine sind ehrliche Weine, in jeder Hinsicht, geradeaus und erschwinglich: Es gibt einen Cabernet Sauvignon, einen Pinot Noir, einen Chardonnay, einen Sauvignon Blanc und daneben ein paar Cuvées aus höchstens zwei Rebsorten. Wer Chardonnay lieber klassisch mag und nicht nach dem "amerikanischen Geschmack" mit überdeutlichen Holznoten, wird sich bei einer Verkostung mit Vernon Henn sehr wohl fühlen.




























