Bernd Lange über EU-Millionen für die Queen

 
 

Im voll besetzten Bistro der Wandelhalle Bad Nenndorf hat Bernd Lange, Kandidat der SPD fürs Europaparlament, dem Publikum Rede und Antwort gestanden. Das Format „Auf ein Wort“ sah vor, dass die Besucher Fragen auf Bierdeckel schrieben, die der Abgeordnete später beantwortete.

 

Bad Nenndorf/Landkreis

Die Themen reichten von kostenlosen Zugtickets für Jugendliche bis zu Euro-Millionen für die Queen. Lange unterstützte die Fridays-for-Future-Bewegung. „Ich finde es richtig, dass junge Menschen Druck machen“, betonte der Sozialdemokrat. Zuletzt sei der Klimaschutz zu sehr in den Hintergrund gerückt. Lange will sich ebenso dafür einsetzen, dass Jugendliche kostenlose Interrail-Tickets für die EU bekommen können, um internationalen Austausch zu pflegen. Dazu seien aber jährlich eine Milliarde Euro nötig.

In der Debatte um die Finanztransaktions-Steuer bedauerte Lange, dass diese innerhalb der EU nicht von allen Staaten mitgetragen wird. Wenn jemand in Bad Nenndorf Bier kauft, werden Steuern fällig, aber wenn im Millisekunden-Takt Aktien gehandelt werden, soll dies in manchen Ländern auch weiterhin steuerfrei geschehen. Ebenso müssten Langes Ansicht nach auch die Milliardenumsätze von Internet-Riesen wie Google und Amazon überall in der Europäischen Union gleich besteuert werden.

Mindestlohn von zwölf Euro

Im Bereich Arbeit forderte Lange einen Mindestlohn von zwölf Euro – dies quittierte das Plenum mit Beifall. Es müssten Vorgaben für transparente und gerechte Arbeitsverträge her – und zwar EU-weit, denn Fernfahrer seien zum Beispiel auf dem ganzen Kontinent unterwegs. Auch befristete Beschäftigungsverhältnisse seien problematisch.

Stichwort Nitratbelastung des Grundwassers: Lange befürwortete eine starke ökologische Komponente in der Landwirtschaftspolitik. Aber: „Arbeitsplätze müssen auch ein Kriterium sein“, sagte der Sozialdemokrat, wobei er in puncto Größe unterschied: Ab 100.000 Hektar sollte die EU keine Zuschüsse zahlen. Dann hätte bislang auch die englische Königin keine Agrarsubventionen von der EU kassiert.

Apropos: An den Brexit glaubt Lange nicht mehr. Er erwarte ein zweites Referendum über den EU-Austritt, bei dem die Briten „weniger emotional“ abstimmen dürften.

Entwicklung Afrikas - Vorteil für die Wirtschaft

Geschäfte europäischer Konzerne mit Afrika seien okay, sagte der SPD-Mann, der Vorsitzender des Handelsausschusses in Brüssel ist. Doch die Länder des schwarzen Kontinents müssten in der Lage sein, sich zu entwickeln. Dies werde auch der hiesigen Wirtschaft auf lange Sicht Vorteile bringen.

Besonders problematisch sei die Figur Donald Trump. Weil der US-Präsident keine traditionellen Regeln beachte, lasse sich schlecht ausrechnen, welche seiner Drohungen er wirklich umsetzt. „Das hängt von der Tagesform ab“, sagte Lange mit Blick auf Strafzölle und Ähnliches.

Von Guido Scholl