Gegen die Macht von Amazon: Wo Bendix ein Fass aufmacht

 
 

Groß Lobker Händler richtet Appell an führenden EU-Parlamentarier. Von Tarek Abu Ajamieh

„Gerade bei den Steuersätzen muss es Mindestsätze in der EU geben, keinen Wettbewerb nach unten, der in Luxemburg oder Irland unglaublich günstige Bedingungen bietet“. Er könne Bendix’ Forderungen nachvollziehen: „Das höre ich von Mittelständlern oft.“, sagt Bernd Lange.

 

Groß Lobke. Wenn Hans-Heinrich Bendix ein Fass aufmacht, dann meist, um hochwertigen Whisky abzufüllen. Gestern Vormittag machte der Inhaber des Groß Lobker Feinkost-Unternehmens Le Barrique allerdings ein Fass der ganz anderen Art auf: Er nutzte den Besuch des Europa-Abgeordneten Bernd Lange aus Hannover, um eine Einschränkung der Marktmacht von Großkonzernen wie Amazon oder Google zu fordern. Lange, als Vorsitzender des Handelsausschusses im EU-Parlament unmittelbar für das Thema zuständig, stimmte inhaltlich zu – machte aber auch deutlich, dass es ein schwieriger Weg sei.

Le Barrique verdient sein Geld mit Spirituosen und hochwertigen Lebensmitteln, sowohl in eigenen Geschäften und über das Internet als auch in 34 Geschäften von Franchise-Nehmern in ganz Deutschland. Der Onlinehandel spielt für das Unternehmen noch eine relativ kleine Rolle. Doch selbst dabei bekomme man die Dominanz von Amazon schon deutlich zu spüren, betonte Bendix, in Groß Lobke Chef von gut 30 Mitarbeitern.

Le Barrique verkaufe seine Produkte auch über Amazon, allerdings über den Marktplatz des Online-Riesen, der dadurch wie eine Art Vermittler oder Zwischenhändler fungiert. Aber mit enormem Einfluss, wie Bendix an drei Beispielen deutlich machte: „Provisionsgebühren von 25 Prozent, zehn Tage vor Weihnachten ein pauschaler Hinweis, vor dem Fest komme die Ware wahrscheinlich nicht mehr an, Lieferkosten von 5,95 Euro für ein Paket Nudeln, die im Gesamt-Warenkorb des Amazon-Kunden kaum auffallen, das sind so die Sachen ...“ Amazon könne sich das aufgrund seiner Macht im Onlinehandel erlauben, viele kleinere Anbieter seien auf die Kooperation mit dem Branchenriesen weit stärker angewiesen als Le Barrique, dessen Hauptgeschäft im Laden laufe.

Dessen Einflussmöglichkeiten beschränken und zudem dafür sorgen, dass Großkonzerne wie Amazon, Google und Ikea „vernünftige Steuern zahlen“, so Bendix – das könne nur die EU: „Die Nationalstaaten sind dafür doch viel zu klein, die EU hätte diese Kraft, auch wenn die ganzen Populisten das nicht sehen wollen oder können.“ Sie müsse sie aber auch einsetzen, forderte er mit Blick auf Lange, der zustimmte: „Gerade bei den Steuersätzen muss es Mindestsätze in der EU geben, keinen Wettbewerb nach unten, der in Luxemburg oder Irland unglaublich günstige Bedingungen bietet“. Er könne Bendix’ Forderungen nachvollziehen: „Das höre ich von Mittelständlern oft.“

Mit Blick auf die Gemeinde Algermissen – die örtliche SPD hatte den Lange-Besuch organisiert, auch Bürgermeister-Kandidat Lukas Schlemeyer war dabei – sagte Bendix, er sei mit seinem Standort sehr zufrieden. Nur Überlegungen für ein neues Wohngebiet hinter der Grenze seines Grundstücks sehe er sehr skeptisch: „Als Betrieb mit Lieferverkehr macht Ihnen das Sorgen, das könnte Konflikte geben.“

20190430_BarriqueFoto: Hildesheimer Allgemeine Zeitung