Wie Barley Europa besser machen will

 
 

Die SPD macht Europa-Wahlkampf in der Nordkurve – und feiert neben Spitzenkandidatin Katarina Barley auch den OB-Kandidaten Marc Hansmann.

 

Hannover

Es ist kühl. Doch als hätte die Regie es so eingefädelt, zeigt sich die Sonne, als er kommt. Rund 200 Besucher, darunter viel Parteiprominenz, haben sich am Sonntagmorgen in den Biergarten der „Nordkurve“ aufgemacht – eigentlich, um die Bundesjustizministerin und die Spitzenkandidatin der SPD für die Europawahl zu erleben. Doch vor Katarina Barley tritt als Überraschungsgast zunächst Marc Hansmann auf die Bühne – und erntet brausenden Applaus.

Entspannt plaudert er über seine ersten Tage als SPD-Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters: „Auf dem Weg zum Kino gestern bin ich oft umarmt worden – es macht richtig, richtig Spaß“, sagt er. Hansmann verbreitet Siegesgewissheit: „Es gibt keine bessere Stadt in Deutschland, und es gibt kein schöneres Amt“, ruft er.

Lob von Stephan Weil

Der Rapper und erklärte „Vollbluteuropäer“ Spax besingt zwischendurch die blaue EU-Flagge mit den gelben Sternen, und der EU-Abgeordnete Bernd Lange warnt vor der Wahl rechter Rattenfänger: „Es ist eine Illusion zu glauben, dass man heute alleine die Segel setzen könnte“, sagt er – und fordert eine europaweite Mindestlohnregelung.

„Moin!“ sagt Ministerpräsident Stephan Weil, als er auf die Bühne tritt – und lobt erst einmal Hansmann: „Marc hat die Kragenweite für den Bürgermeister von Hannover“, ruft er. Europa preist er als „Friedens- und Freiheitsprojekt“ – und Katarina Barley als ideale Kandidatin.

Der SPD-Wahlkampf in der Nordkurve

Die Justizministerin hat tatsächlich das im Gepäck, was man eine Erzählung von Europa nennt. „Viel mehr Europa, als mein Leben ist, werdet ihr nur schwer finden“, sagt sie ihrem Publikum in der Nordkurve. Sie spricht von ihrem Erasmus-Stipendium in Paris und davon, dass die Großeltern ihrer eigenen Kinder aus vier verschiedenen europäischen Ländern stammen. „Europa ist nicht perfekt“, sagt sie. „Wir wollen es besser machen.“

Auch sie fordert europaweite Mindestlöhne. „Wir wollen, dass es fair zugeht.“ Die EU solle „Wohnen als Menschenrecht“ fördern, verlangt sie. Sie will Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen und Bürgerrechte stärken, sie kritisiert die Unterminierung der Demokratie in Ungarn. Und sie spricht über ihre gebeutelte Partei: „Die SPD rangiert unter Wert; wir haben mehr verdient“, sagt sie. Mit ihrer Kandidatur wollen sie helfen, die Sozialdemokraten wieder auf die Beine zu bringen.

Über der Veranstaltung schwebt der Geist von Kevin Kühnert. Der Juso-Chef hat mit seinen linken Enteignungsfantasien eine breite Debatte losgetreten. „Nicht ganz glücklich, so kurz vor der Wahl“, sagt eine Sozialdemokratin aus Misburg. „Man muss darüber diskutieren“, befindet Bernd Lange diplomatisch. Einhellig ist in der Nordkurve hingegen die Begeisterung für Katarina Barley: „Sie macht einen sympathischen Eindruck“, sagt die Besucherin Maud Pagel, die immerhin seit fast 50 Jahren Genossin ist. Und das sieht das Gros der Besucher hier ganz ähnlich.

Von Simon Benne

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Foto: SPD Niedersachsen