Fragen zur Europawahl: Soll die Quälhaltung weitergehen?

 
 

Schüler haken beim Thema Tierschutz nach. Was sagen Abgeordnete des Europäischen Parlaments, die am 26. Mai wiedergewählt werden wollen, zum Thema Tierschutz?

 

Hühner, Schweine, Rinder vegetieren auf engstem Raum vor sich hin. Die eingepferchten Nutztiere sind meist vollgepumpt mit Antibiotika, um den Stress im Stall aushalten zu können und um Epidemien zu verhindern. Fressen ist ihr einziger Lebenszweck. Männliche Küken werden schon gleich nach der Geburt getötet, das Mastvieh hat kaum ein besseres Los.

Immer wieder gibt es erschütternde Bilder von Quälhaltung in düsteren, schlecht belüfteten Ställen mit kahlen, beschissenen Böden oder vom Weg zum Schlachthof, wo ein Rind auch schon mal mit gebrochener Hüfte in die Tötungsmaschinerie getrieben wird. Massentierhaltung, bei der einem halbwegs sensiblen Menschen der Appetit auf derart erzeugtes, im Supermarkt entsprechend spottbillig angebotenes Fleisch im Halse stecken bleiben müsste. Nach ethisch-moralischen Maßstäben geht das gar nicht, Verbraucher und Politiker sind zum Handeln aufgefordert. Was sagen Abgeordnete des Europäischen Parlaments, die am 26. Mai wiedergewählt werden wollen, zum Thema Tierschutz?

Zehntklässler des Gymnasiums am Markt in Achim haben bei den Mandatsträgern der verschiedenen Parteien aus der Region nachgehakt. Sabine Lösing (Linke), Bernd Lange (SPD), Gesine Meißner (FDP) und David McAllister (CDU) antworteten. Vertreter der Grünen und der AfD blieben den Pennälern aus der Europaschule allerdings Antworten schuldig.

Sabine Lösing (Linke): Tierversuche verbieten

Das Tierwohl darf nicht wirtschaftlichen Interessen untergeordnet werden: Hühner in Käfigbatterien sind billiger als die in Freilandhaltung, Meeressäuger in Delfinarien versprechen kräftigen Gewinn für die Betreiber. Die Schäden an Natur und Umwelt sind in keiner Rechnung aufgelistet. Wir fordern ein grundsätzliches Verbot von Tierversuchen, tiergerechte und ethisch vertretbare Haltungs- und Transportbedingungen für Nutztiere und die Stärkung regionaler Vermarktungskreisläufe.

Die industrielle Tierhaltung muss durch umwelt- und ressourcenschonende Haltungsformen ersetzt werden. Wir setzen uns für ein EU-weites Tierschutzsiegel sowie eine einheitliche Kennzeichnung von vegetarischen und veganen Lebensmittel im Einzelhandel ein. Tierschutzverbände sollen in der EU das Recht erhalten, als Verbände klagen zu können.

Bernd Lange (SPD): Tiertransporte besser kontrollieren 

Die EU hat keine direkte Regelungskompetenz im Bereich des Tierschutzes. Deshalb liegt die hauptsächliche Verantwortung bei den nationalen Regierungen. Aber es gibt zum Beispiel Richtlinien der EU für den Transport von lebenden Tieren. In der Vergangenheit hat sich herausgestellt, dass diese Vorschriften nicht konsequent eingehalten werden. 

Deshalb fordern wir als sozialdemokratische Fraktion im Europäischen Parlament, dass auf diesem Feld bessere Kontrollen stattfinden. Die Unterstützung von Tierheimen halte ich vor allem für eine lokale Aufgabe, die nicht zentral aus Brüssel oder Straßburg geregelt werden kann oder sollte. Was Naturschutzgebiete angeht, setzt die EU jedoch ganz klar Maßstäbe: Die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie und die Vogelschutzrichtlinie verpflichten die Mitgliedstaaten zum Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten. 

Gesine Meißner (FDP): Tierversuche notwendig

Es gibt bereits Rechtsvorschriften auf europäischer Ebene für das Wohlergehen sowohl von Haustieren als auch von Tieren in der Landwirtschaft. Diese Richtlinien gewährleisten die höchsten Tierschutzstandards in der Welt. Ich selbst spreche mich gegen die Misshandlung von Tieren, gegen ungesunde Bedingungen für Tiere in Gefangenschaft und für tiergerechte Haltungsformen aus.

Die medizinische Tierforschung erfordert besondere Vorsicht im Umgang mit den Probanden. Dabei bin ich gegen umfassende Verbote medizinischer Tierversuche. Tierversuche sind der Schlüssel im Kampf gegen gefährliche Krankheiten wie Krebs und tragen maßgeblich zum Fortschritt der modernen Medizin bei. Es ist jedoch eine Praxis, die streng überwacht und begrenzt werden sollte, um unnötigen Experimenten und Tierquälerei entgegenzuwirken. 

David McAllister (CDU): Schon bester Schutz weltweit 

Der Tierschutz in der EU zählt zu den strengsten weltweit. So gelten hohe Mindeststandards für den Schutz aller landwirtschaftlichen Nutztiere, unter anderem für deren Haltung, Transport und Betäubung. Bei der Umsetzung dieser Standards sind vor allem die Mitgliedstaaten gefragt. 

Der zuständige EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis hat eine Plattform für Tierschutz ins Leben gerufen. Diese vereint 75 Vertreter von Interessengruppen, Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaft, internationalen Organisationen und der Efsa (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit). Die Teilnehmer sollen Erfahrungen austauschen und einen Beitrag zur Verbesserung des Tierschutzes leisten. Bei uns in Deutschland ist Tierquälerei strengstens verboten. Wer gegen das Tierschutzgesetz verstößt, muss hohe Strafen zahlen oder sogar ins Gefängnis.